AUSBILDUNG IST NICHT GLEICH ERZIEHUNG
Erziehung und Ausbildung sind zwei Paar Schuhe – die Schuhe der Erziehung können schon mal drücken, die der Ausbildung sollten sich immer leicht anfühlen. Erziehung hat bei Hund wie Mensch zum Ziel, Hund (bzw. Mensch) zu einem sozialen Wesen zu machen, das seinen Platz in Familie und/oder Gemeinschaft kennt und gewisse grundsätzliche Verhaltensregeln respektiert. Ausbildung dagegen hat bestimmte Aufgaben für den Hund oder gemeinsame Tätigkeiten mit seinem Hundeführer zum Ziel. Solche Ziele können eine Art Beruf für den Hund (z.B. bei Schäfern, Polizei oder Menschen mit Behinderungen), sportliche Wettkämpfe oder auch Freizeitspaß im Team sein.
Oberstes Prinzip für die ERZIEHUNG: LÖSE DIE GROSSEN PROBLEME, SOLANGE SIE NOCH KLEIN SIND!!!
Oberstes Prinzip für die AUSBILDUNG: LASS DIR UND DEINEM HUND DIE ZEIT, DIE IHR BRAUCHT!!!
Ein Hund – und schon gar ein Pinscher – braucht (wiederum ähnlich wie der Mensch) seine Aufgaben oder Funktionen in einer Gemeinschaft, um sich psychisch gesund zu entwickeln. Ausbildung bedeutet Lernen, und Lernen bedeutet für mich Spiel, bzw. spielerische Kommunikation. Begeisterung und Freude am gemeinsamen Tun sollten jederzeit zu spüren sein.
Wir dürfen getrost davon ausgehen, dass unser Pinscher uns verstehen will. Deshalb sollten wir uns zunächst bemühen, unseren Hund so gut wie möglich zu verstehen, und dann überlegen, wie wir uns ihm verständlich machen können. Diese Verständigung vergleiche ich gerne mit einem Spiel aus meiner Kinderzeit. Meine Freundin „schrieb“ mir mit einem Finger Buchstaben auf den Rücken, und ich musste die Botschaft entschlüsseln. Wir gaben uns beide die allergrößte Mühe: die eine „schrieb“ möglichst deutliche Buchstaben, die andere spürte möglichst genau hin. War die Nachricht noch nicht ganz verstanden, wurde der Vorgang wiederholt. War sie richtig angekommen, freuten wir uns gemeinsam. Um die se gemeinsame Freude des Sich-Verstehens, die durchaus auch als Glücksgefühl erlebt werden kann, geht es auch im Mensch-Hund-Team.
Die Zeichen, die wir unseren Hunden übermitteln, sind natürlich keine Buchstaben, die beide übereinstimmend in der Schule gelernt haben, sondern wir müssen (oder dürfen) unsere Zeichen (Laute, Worte, Körperbewegungen oder Handzeichen) selbst festlegen.
AUSBILDUNG UND ERZIEHUNG BRAUCHEN EINE SOLIDE BASIS: BINDUNG!!!
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TRAINING NACH DEM BELOHNUNGSPRINZIP, bzw. BESTÄTIGUNGSPRINZIP
Das Prinzip klingt überzeugend und einfach: Was mensch will belohnt er, was nicht ignoriert er. Doch was ist eine Belohnung? Und wieder gibt es eine einfache Antwort: Was hund als solche empfindet.

Es müssen durchaus nicht immer Leckerchen sein. Es können ebenso gut enthusiastisches verbales Lob, Liebkosungen oder Spiel sein – kurz alles, was unser Pinscher als positiv empfindet.

Und doch ist nicht jede Art der Belohnung in jeder Situation in gleicher Weise sinnvoll. Sondern mal ist die eine und mal die andere Art der Belohnung effektiver. Dabei gibt es bestimmte Grundtendenzen: Spielzeug macht den Hund schneller, Futter langsamer – Ausnahmen bestätigen, wie immer, die Regel. Streicheln und verbales Lob haben den Vorteil, dass sie auch an bestimmten Stellen in Prüfungen erlaubt sind.
Und dann ist da noch eine Schwierigkeit: Es kommt auf den richtigen Moment an. D.h. wenn unser Pinscher verstehen soll, wofür er gerade seine Belohnung erhält, sollte möglichst nur eine Sekunde seit der zu bestätigenden Handlung vergangen sein!!! Sonst lernt hund womöglich etwas ganz anderes als mensch beabsichtigt.
Schließlich, alle guten Dinge sind drei, ist da noch ein drittes Moment zu beachten. Während die Belohnungen in der ersten Phase reichlich vergeben werden sollten (eine lohnende Investition), müssen sie, sobald der Pinscher sicher weiß, was und wie er gerade eine bestimmte Handlung ausführen soll, wieder „abgebaut“ werden. Andernfalls ziehen wir uns einen Hund heran, der nur noch mit uns arbeitet oder uns gehorcht, wenn er ein Stück Wurst in unserer Hand sieht oder riecht …

Wie könnte so ein „Abbau“ von Belohnungen aussehen? Nehmen wir als Beispiel die viel verwendeten Leckerchen: Zuerst sind sie sichtbar und werden bei jedem Schritt in die richtige Richtung, später bei jeder richtigen Ausführung gegeben. Oder der Hund wird mit der „Leckerchenhand“ in die gewünschte Handlung geführt und bekommt seine Belohnung sobald er diese Handlung ausführt. Wenn das gut klappt, machen wir das Leckerchen unsichtbar (in der geschlossenen Leckerchenhand). Wenn der Hund auch dann die gewünschte Handlung richtig ausführt, wird die Belohnung gelegentlich aus der anderen Hand gegeben, später stehen die Leckerchen vielleicht auf dem Tisch oder einer anderen Stelle in unserer Nähe … Irgendwann bestätigen wir die eine oder andere richtige Ausführung statt mit Leckerchen auch mal „nur“ mit einem aufmunternden Blick. Das ist auch in jeder Prüfung erlaubt!!! Je sicherer der Pinscher wird, desto häufiger reicht ihm dieser Blick von uns.

Mit Spielzeug und Stimme ist entsprechend zu verfahren. Achtung: Streicheln mögen viele Hunde währen der Arbeit nicht!!!
